Future Skills an der Hochschule Hannover
Im Gespräch mit Thessa Hackbarth

von Tanja Dauth  |  08. Juni 2026


Thessa Hackbarth, Hochschule Hannover

Future Skills gewinnen an Hochschulen zunehmend an Bedeutung – nicht nur als Schlagwort, sondern als konkrete Antwort auf die Herausforderungen einer sich wandelnden Arbeits- und Lebenswelt. An der Hochschule Hannover wurde dieses Thema unter anderem durch die Entwicklung einer Selbstlernplattform und die Integration des Future Skills Kompass aufgegriffen.

Im Interview spricht Thessa Hackbarth über ihre Rolle an der Hochschule Hannover, die Entstehung des Projekts und darüber, warum Selbstreflexion eine zentrale Kompetenz der Zukunft ist.

Thessa Hackbarth arbeitet an der Hochschule Hannover im Rahmen des Projekts „Future Skills Applied“. Ziel des Drittmittelprojekts war es, Studierenden eine digitale Selbstlernplattform bereitzustellen, auf der sie eigenständig Future Skills entwickeln können.

Im Zuge dieses Projekts entstand die Idee, den Future Skills Kompass der Next Education Forschungsgruppe in die Plattform zu integrieren. Der Kompass sollte Studierenden dabei helfen, ihre eigenen Kompetenzen einzuschätzen, Entwicklungsfelder zu erkennen und passende Lernangebote zu finden.

Neben der Unterstützung von Studierenden stand auch die Frage im Fokus, wie Lehrende Future Skills stärker in ihre Lehrveranstaltungen integrieren können. Daraus entwickelten sich unterschiedliche Ansätze zur Reflexion, Gruppenarbeit und Kompetenzentwicklung.


„Future Skills sollen Orientierung geben“


Frau Hackbarth, wie kamen Sie mit dem Thema Future Skills in Berührung?

Ich habe 2022 an der Hochschule Hannover im Projekt Future Skills Applied angefangen. Dort hatten wir die Aufgabe, eine digitale Selbstlernplattform für Studierende zu entwickeln, auf der sie sich eigenständig mit Future Skills beschäftigen können.

Dabei stellte sich schnell die Frage, wie Studierende überhaupt erkennen können, welche Kompetenzen für ihre persönliche und berufliche Entwicklung wichtig sind. Deshalb war es uns wichtig, Möglichkeiten zur Orientierung und Selbstreflexion in die Plattform einzubinden.


„Selbstreflexion ist ein wichtiger Bestandteil“


Welche Rolle spielte dabei der Future Skills Kompass?

Der Future Skills Kompass wurde als unterstützendes Instrument eingesetzt, um Studierende zur Reflexion ihrer eigenen Kompetenzen anzuregen. Für die Hochschule Hannover wurde der Kompass dabei auf Basis des Ansatzes der Next Education Forschungsgruppe adaptiert und weiterentwickelt. Es entstand eine eigene Version mit individueller URL, angepassten Kompetenzprofilen und einem hochschulspezifischen Framework, das auf die Bedarfe der Studierenden und die Ziele des Projekts zugeschnitten war.

Durch verschiedene Fragen und Handlungssituationen konnten sich Studierende damit auseinandersetzen, wo bereits Stärken liegen und in welchen Bereichen sie sich weiterentwickeln möchten.

Darauf aufbauend konnten passende Lernangebote auf der Plattform ausgewählt werden. Uns ging es dabei nicht nur darum, Inhalte bereitzustellen, sondern vor allem darum, bewusste Lern- und Entwicklungsprozesse anzustoßen.


„Future Skills betreffen Studierende und Lehrende“


Ging es dabei nur um Studierende oder auch um Lehrende?

Beides. Future Skills spielen nicht nur für Studierende eine wichtige Rolle, sondern auch für Lehrende und die Gestaltung von Hochschullehre insgesamt.

Deshalb war es uns wichtig, auch Lehrenden Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie Future Skills stärker in ihre Lehrveranstaltungen integrieren können. Besonders interessant waren dabei Gruppenformate und praxisnahe Handlungssituationen, die Diskussionen, Perspektivwechsel und gemeinsames Lernen fördern.


„Die Verankerung entwickelt sich weiter“


Wie stark sind Future Skills aktuell an der Hochschule Hannover verankert?

Das Interesse an dem Thema ist auf jeden Fall vorhanden – sowohl bei Lehrenden als auch in verschiedenen Fakultäten. Gleichzeitig befindet sich die strukturelle Verankerung vielerorts noch im Aufbau.

Da unser Projekt inzwischen ausgelaufen ist, fehlen teilweise Ressourcen, um das Thema noch stärker curricular einzubinden. Dennoch gibt es Lehrende, die die entwickelten Materialien weiterhin nutzen und Future Skills aktiv in ihre Veranstaltungen integrieren.

Besteht daher nicht die Gefahr, dass Future Skills an Hochschulen häufig projektabhängig bleiben und nach Ende der Förderung wieder an Bedeutung verlieren?

Ja, diese Gefahr besteht auf jeden Fall. Gerade weil viele Future-Skills-Initiativen über Drittmittelprojekte entstehen, hängt ihre langfristige Wirkung oft davon ab, ob sie institutionell weitergetragen werden. Wir haben gemerkt, dass großes Interesse vorhanden ist – sowohl bei Lehrenden als auch bei Studierenden –, aber ohne strukturelle Verankerung und entsprechende Ressourcen wird es schwierig, solche Angebote dauerhaft curricular einzubinden. Deshalb wäre es wichtig, dass Future Skills nicht nur projektbasiert gedacht werden, sondern stärker strategisch auf Hochschulebene verankert werden.[DT1]


„Studierende setzen sich intensiv damit auseinander“

Wie reagieren Studierende auf solche Angebote?

Sehr positiv. Wir haben verschiedene Formate bereits in kleineren Lehrveranstaltungen ausprobiert und festgestellt, dass sich viele Studierende intensiv mit den Themen auseinandersetzen.

Besonders spannend war, dass daraus häufig Diskussionen entstanden sind, in denen Studierende eigene Erfahrungen eingebracht und unterschiedliche Perspektiven reflektiert haben. Genau diese aktive Auseinandersetzung ist für die Entwicklung von Future Skills sehr wertvoll.

Erreichen solche freiwilligen Future-Skills-Angebote möglicherweise vor allem ohnehin schon motivierte Studierende – und weniger diejenigen, die besonders von Reflexions- und Unterstützungsangeboten profitieren würden?

Das ist sicherlich eine wichtige Herausforderung. Wir haben schon beobachtet, dass zunächst vor allem intrinsisch motivierte Studierende die Plattform aktiv nutzen. Gleichzeitig haben wir aber auch gemerkt, dass die Nutzung deutlich steigt, wenn Lehrende die Angebote aktiv in ihre Veranstaltungen einbinden und darauf aufmerksam machen. Deshalb sehen wir die curriculare Integration langfristig als wichtigen Schritt, um wirklich eine breitere Studierendengruppe zu erreichen und Future Skills nicht nur als freiwilliges Zusatzangebot wahrzunehmen.


„Future Skills beginnen bei der Selbstreflexion“


Warum ist Selbstreflexion Ihrer Meinung nach so wichtig?

Selbstreflexion ist eine zentrale Grundlage für persönliche Entwicklung. Nur wenn ich mir bewusst mache, welche Fähigkeiten ich bereits mitbringe und wo ich mich weiterentwickeln möchte, kann Lernen gezielt stattfinden.

Dabei geht es nicht nur um fachliche Kompetenzen. Viele Studierende erwerben wichtige Fähigkeiten auch außerhalb des klassischen Studiums – etwa durch ehrenamtliche Tätigkeiten, Teamarbeit oder persönliche Erfahrungen. Future Skills helfen dabei, solche Kompetenzen sichtbar zu machen und bewusster weiterzuentwickeln.


Fazit


Das Interview mit Thessa Hackbarth zeigt, dass Future Skills in der Hochschulbildung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Sie eröffnen neue Möglichkeiten des Lernens, fördern Selbstreflexion und unterstützen Studierende dabei, eigene Stärken bewusster wahrzunehmen und weiterzuentwickeln.

Instrumente wie der Future Skills Kompass der NextEducation Forschungsgruppe  können diesen Prozess begleiten, im Mittelpunkt steht jedoch vor allem die Frage, wie Hochschulen Lernräume schaffen können, die Studierende auf eine komplexe und dynamische Zukunft vorbereiten.

Thessa Hackbarth, vielen Dank für das Interview!

 

 

 

Tanja
Dauth

Head of Communication & Engagement

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