Good Practice
Wie die PH Wien Future Skills konkret ins Curriculum bringt

von Ulf-Daniel Ehlers  |  12. Dezember 2025

Die Pädagogische Hochschule Wien zeigt eindrucksvoll, dass die Verankerung von Future Skills nicht nur ein strategisches Ziel sein kann, sondern zu einem praxistauglichen, evidenzbasierten und hochschulweiten Entwicklungsprozess werden kann. Die PH Wien gehört damit zu den Hochschulen, die das NextSkills-Modell nicht nur kennen – sondern konsequent in Strukturen, Studiengänge und Lehr-Lern-Prozesse übersetzt haben.


Vom Modell zur Realität: Der systematische Prozess hinter den Curricula

Ausgehend von einer Initiative von Dr. Reinhard Bauer wurde ein hochschuleigener Entwicklungsprozess aufgesetzt, der beispielhaft zeigt, wie Hochschulen Future Skills curricular verankern können. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Stringenz: Von der Modelllogik über die Kompetenzentwicklung bis hin zur Modulbeschreibung greifen alle Schritte ineinander.

🔄 1. Spiralförmiges Kompetenzkonzept

Anstatt Future Skills als Einzelthema einzuführen, setzt die PH Wien auf ein Spiralcurriculum. Studierende begegnen denselben Kompetenzen mehrfach im Studienverlauf – jedoch jeweils:

  • in neuen Kontexten,
  • mit höheren Anforderungen,
  • angebunden an unterschiedliche Fachperspektiven.

So entsteht nachhaltiges Kompetenzwachstum, das nicht von Zufällen abhängt, sondern curricular gesichert ist.

🔹 2. Drei Handlungsbereiche als Modellbasis

Das NextSkills-Modell bietet die logische Grundlage – und schafft Struktur:

  • Subjekt: individuelle und personale Kompetenzen
  • Objekt: fachlich-inhaltsbezogene Kompetenzen
  • System: organisations- und entwicklungsbezogene Kompetenzen


Diese Dreigliederung ermöglicht es allen Studiengängen, ihre fachlichen Profile zu bewahren und zugleich Future Skills anschlussfähig einzubetten.


📈 3. Kompetenzniveaus & eigenes Kompetenzmodell

Gemeinsam mit allen Fachbereichen wurden Kompetenzstufen und -niveaus entwickelt, die eine nachvollziehbare Progression ermöglichen. In iterativen Schleifen entstand ein hochschulspezifisches Kompetenzmodell, das fachliche Besonderheiten, pädagogische Professionalität und Future Skills verbindet.

🧭 4. Kompetenzmatrix & Modulzuordnung

Herzstück der Arbeit ist eine detaillierte Kompetenzmatrix. Für jedes Modul wird geprüft:

  • Welche Future Skills werden adressiert?
  • Auf welcher Kompetenzstufe?
  • Welche Lernziele werden damit verbunden?
  • Wie fügt sich das Modul in die Gesamtlogik ein?

Die Matrix schafft Transparenz – und macht die curriculare Verankerung sichtbar, überprüfbar und anschlussfähig


📘 5. Modulbeschreibungen neu formuliert

Abschließend wurden die Modulbeschreibungen überarbeitet. Wesentlich ist dabei: Lernergebnisse, Future Skills und Bezugskompetenzen sind klar aufeinander abgestimmt. Damit entsteht Verbindlichkeit – und eine durchgängige Linie bis in die konkrete Lehre.


Future Skills als Qualitätskriterium der Hochschulentwicklung

Das Ergebnis ist ein Curriculum, das:

✔ Reflexionsfähigkeit stärkt

✔ Design- und Innovationskompetenzen fördert

✔ pädagogische Professionalität systematisch weiterentwickelt

✔ Anschlussfähigkeit an Schule und Beruf sicherstellt

Die PH Wien zeigt damit, wie strategische Hochschulentwicklung aussehen kann: evidenzbasiert, partizipativ, zukunftsorientiert und konsequent umgesetzt.


Good Practice: Das Bachelorstudium Mode & Design als Reallabor für Future Skills

Besonders anschaulich wird der Ansatz im Bachelorstudium Mode & Design, das als Reallabor dient und eindrucksvoll zeigt, wie Studiengänge Future Skills passgenau integrieren können.

1. Future Skills in jedem Modul

Alle Module enthalten drei bis vier zentrale Future-Skills-Schwerpunkte, beispielsweise:

  • Selbstbestimmtheit
  • Design Thinking
  • Innovationskompetenz
  • Kommunikations- und Kooperationskompetenz
  • Ambiguitätskompetenz
  • Digitalität


Future Skills werden nicht additiv „oben drauf“ gesetzt – sie sind integraler Bestandteil der Lernziele und Lehrveranstaltungen.

2. Kompetenzmatrix als Transparenzinstrument

Die Kompetenzmatrix zeigt für alle Semester:

  • welche Future Skills im Modul adressiert werden,
  • wie sie den sieben Kompetenzbereichen zugeordnet sind,
  • wie die Entwicklung entlang der Ebenen Subjekt – Objekt – Organisation erfolgt.

 

So entsteht ein transparentes, nachvollziehbares Kompetenzprofil – sowohl für Lehrende als auch für Studierende.

3. Quantitative Analyse des Curriculums

Zwei quantitative Analysen unterstützten die Weiterentwicklung des Curriculums:

 

  • Häufigkeitenanalyse: Identifizierte Lücken und stärkte die Kohärenz von Learning Outcomes.
  • Entwicklungsanalyse: Überprüfte die Progression – und führte zu einer ausbalancierten Kompetenzarchitektur.


✨ Warum das ein Meilenstein ist

Die PH Wien zeigt eindrucksvoll, dass Future Skills:

  • nicht vage bleiben müssen,
  • nicht nur Strategiepapieren vorbehalten sind,
  • sondern konkret, verbindlich und kraftvoll im Curriculum verankert werden können.


Ein Good Practice, das vielen Hochschulen Orientierung bieten kann – und Mut macht, konsequent in Richtung Zukunftskompetenzen zu gehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Ulf-Daniel
Ehlers

Leiter der Forschungsgruppe und Professur für Bildungsmanagement und Lebenslanges Lernen

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