RECAPHE - ein Rückblick
Ergebnisse des RECAPHE Projekts

von Marina Brunner  |  16. März 2023

Forschung an Hochschulen? Ist das nicht eher etwas für Universitäten? Mein EU-Projekt RECAPHE hatte zur Aufgabe, einen neuen Forschungskompetenzrahmen für professionelle Hochschulbildung zu erarbeiten. Aber was genau bedeutet das?

Angewandte Forschungstätigkeiten können Lerngelegenheiten schaffen, in denen Studierende ihre Fähigkeiten weiterentwickeln, einschließlich ihres innovativen sowie unternehmerischen Denkens und ihrer Problemlösungskompetenz. Die Initiative "Enhancing Staff Research and Innovation Capacity in Professional Higher Education" (RECAPHE) zielte auf die Förderung und Erleichterung der Forschungs- und Innovationsbeziehungen zwischen den Hochschulen und ihrem regionalen Umfeld ab, um die Innovationskraft zu fördern.

Hochschulen sind hierbei die ideale Zielgruppe, da sie als Wissensvermittler zwischen Gesellschaft und Wirtschaft stehen. Durch ihrer Praxisnähe sind sie in der Position sozial- und wirtschaftlich relevante, regionale Herausforderungen und Fragestellungen im Rahmen von strukturierten Forschungsvorhaben mit Hilfe von wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten und zu beantworten. Im Projekt wurde der Bedarf diagnostiziert, Forschungskompetenz in der professionellen Hochschulbildung zu stärken (Rodrigues & Brunner 2022), und an diesem Punkt will das RECAPHE Projekt anknüpfen.

In den vergangenen drei Jahren, die das Projekt (durch Erasmus+ gefördert) durchgeführt wurde, haben wir verschiedene Instrumente zur Verbesserung der Forschungskapazitäten in den angewandten Wissenschaften an Hochschulen entwickelt und getestet. So sollten europäische Hochschulen eine Hilfestellung bekommen, um ihre eigenen Potenziale besser auszuschöpfen und Chancen für Synergien mit anderen Forschungseinrichtungen zu erkennen.

Der entwickelte RECAPHE Kompetenzrahmen identifiziert verschiedene Zielgruppen und weist ihnen unterschiedliche Relevanzniveaus für bestimmte Kompetenzen zu - so entstehen Kompetenzprofile für einzelne Berufe und Positionen in der angewandten Forschung, die eine Orientierung für Verwaltung und Wissenschaftsmanagement im Hinblick auf Kompetenzanforderungen an bestehendes und zukünftiges Personal bieten.

Nach unserer Kenntnis (Stand: 2022) war bis dahin keine groß angelegte systematische Studie durchgeführt worden, um zu ermitteln, warum einige Hochschulen weniger oder mehr als andere geneigt sind, sich auf lokaler oder regionaler Ebene zu engagieren. Außerdem wurde regionales Engagement nach unserer Beobachtung oft nicht als entscheidendes Kriterium für die Beförderung von Professor:innen angesehen**,** und es gab unseres Wissens zudem keine Preise, die von Akademiker:innen für solche “Third Mission”-Aktivitäten gewonnen werden konnten. Infolgedessen hing ein solches Engagement allzu oft vom Antrieb und der Motivation einiger weniger Personen ab, anstatt als organisationsweites Ziel verfolgt zu werden (ähnlich für Forschungsaktivitäten: Rodrigues & Brunner 2022, S. 23). Die Einrichtung des RECAPHE Kompetenzrahmens war ein erster Schritt zur Förderung der Forschung und der regionalen Wirkung von PHEIs. Dabei handelt es sich um einen fortlaufenden Prozess zum besseren Verständnis, zur Stärkung und zur Förderung der angewandten Forschung in Europa mit Schwerpunkt auf Hochschulen. Der Kompetenzrahmen dient als Grundlage für verschiedene Ansätze zum Aufbau von Forschungskapazitäten: für Studierende, Forscher:innen und andere Zielgruppen, die direkt an der Forschung beteiligt sind, aber auch für die institutionelle Verwaltung, das Personal- und Ausbildungsmanagement, wo er als Orientierung für die Qualifizierung von bestehendem sowie die Einstellung von neuem Personal dienen kann.

Das Thema des Projekts hat mich von Anfang an begeistert, denn bislang wurde die Forschung vor allem an traditionellen Universitäten vorangetrieben, nicht aber an den praxisorientierten Hochschulen, wie der DHBW, die in diesem Feld den Wissenstransfer zwischen Hochschulen – also Forschung – und Unternehmen – also Wirtschaft – gewährleisten kann. Dabei geht viel Potenzial verloren, denn vor allem duale Studierende können die in der Hochschule betriebene Forschung unmittelbar in ihren Unternehmen zur Anwendung bringen.

Die formale Projektlaufzeit reichte von September 2019 bis August 2022; abschließende Aktivitäten liefen bis Dezember 2022. Die Projektergebnisse umfassen den Kompetenzrahmen, ein Self-Assessment Tool in dem Mitarbeitende und Studierende ihre Kompetenzlücken im Bereich angewandte Forschung selbst identifizieren können, Micromodule zu verschiedenen Themenbereiche der angewandten Forschung, sowie politische Empfehlungen für die Entwicklung von Forschungskompetenzen in der professionellen Hochschulbildung.


Rodrigues, M., & Brunner, M. (2022). Report on Research, Development and Innovation (RDI) for Professional Higher Education (PHE). RECAPHE Consortium. Abgerufen von https://recaphe.eu/wp-content/uploads/sites/26/2023/01/RECAPHE_Report-on-Research-Development-and-Innovation-RDI-for-Professional-Higher-Education-PHE.docx-1.pdf

Marina
Brunner

Researcher

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