In einer Welt, in der Wissen nicht mehr nur vermittelt, sondern ko-kreiert wird, genügt es nicht, „kompetent“ zu sein. Man muss handlungsfähig werden. Wer Bildung heute ernst nimmt, muss Future Skills als Gestaltungskompetenz für den Wandel der Wissensordnung begreifen.
Wissen war nie statisch. Doch selten zuvor hat sich seine Produktionslogik so grundlegend verändert wie in der Gegenwart. Der klassische Weg – disziplinär, theoriegeleitet, innerhalb klarer akademischer Grenzen – ist längst nicht mehr alleiniger Standard. Bereits Gibbons et al. (1994) beschrieben mit den Begriffen Modus 1 und Modus 2 den Übergang von streng wissenschaftlich-internem Wissen zu einem stärker anwendungsorientierten, kontextualisierten Wissen, das in interdisziplinären Zusammenhängen entsteht. Carayannis und Campbell (2006) gingen einen Schritt weiter und führten Modus 3 ein: eine Form der Wissensproduktion, die transdisziplinär, partizipativ und transformativ ist. Wissen entsteht heute in Co-Creation-Prozessen: in Living Labs, Citizen Science-Initiativen, offenen Bildungsplattformen.
Wissen ist nicht länger nur „Output“ – es ist ein sozialer, kooperativer Entstehungsprozess.
Vergleichstabelle: Drei Modi der Wissensproduktion
Future Skills: Gestaltungskompetenz für die neue Wissensökonomie Future Skills sind nicht die Antwort auf neue Technologien – sie sind die Voraussetzung für epistemische Handlungsfähigkeit in einer Welt, in der Wissen nie abschließend, sondern permanent in Bewegung ist. Zentral ist dabei: Menschen gestalten Wissen mit – nicht als Nutzer:innen, sondern als Ko-Autor:innen. Das setzt voraus:
Diese Skills sind nicht additiv, sondern integrativ. Sie verbinden Wissen, Haltung und Können (KSA-Trias) – und sind in der AIComp-Studie (Ehlers & Kleinsorger, 2023) klar identifiziert und empirisch abgesichert.
Von Transaktion zu Transformation Transformation wird dabei nicht als „Change“ verstanden – sondern als ein tiefgreifender Gestaltungsmodus, der sich von klassischen Wissensvermittlungsformen unterscheidet:
Transformation ist keine Methode – sie ist ein Haltungsmuster. Ein Lernmodus, in dem gesellschaftliche Handlungsfähigkeit möglich wird.
Fazit: Future Skills sind keine Reaktion auf Disruption – sie sind die Voraussetzung, sie mitzugestalten Bildung darf nicht länger darauf ausgerichtet sein, Wissen „abzufüllen“. Sie muss Räume eröffnen, in denen Menschen lernen, Wissen zu hinterfragen, weiterzudenken und zu teilen – in kollektiven, partizipativen, oft auch unvollkommenen Prozessen. Future Skills sind in dieser Perspektive nicht die „nächste Kompetenzwelle“, sondern die kulturelle Infrastruktur einer neuen Wissensgesellschaft.
Leiter der Forschungsgruppe und Professur für Bildungsmanagement und Lebenslanges Lernen